Schulen & Jugendgruppen


Die Bildungsangebote des Museums bieten vielfältige Anknüpfungspunkte zu den Lehrplänen vieler Fächer in allen Schulformen. Neben der Vermittlung von fächerübergreifendem Wissen zum historischen und gegenwärtigen Diskurs über Flucht, politische Verfolgung und Migration werden im Museum Friedland auch gesellschaftliche und soziale Kompetenzen vermittelt. In zielgruppenspezifischen Formaten wird das Verständnis für die Ursachen, Auswirkungen und belastenden Erfahrungen von Flucht gefördert. Dabei sollen Partizipation und Multiperspektivität, aber auch der interkulturelle Dialog und praxisorientierte Formen der Zusammenarbeit angeregt werden.

Wir möchten junge Menschen zu kritischem Denken und der verantwortungsvollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermutigen, ihr Demokratiebewusstsein stärken sowie Toleranz und das Verständnis für fremde Kulturen wecken. Sie darüber hinaus auch mit den Aufgaben und Arbeitsweisen der Institution Museum vertraut zu machen, stellt ein weiteres Ziel unserer Bildungsarbeit dar und soll dazu anregen, Museen selbständig als Lern- und Erlebnisorte zu nutzen.

 

 

Führungen & Rundgänge

Diese auf die Bedürfnisse und das Lernniveau von Schulklassen und anderen Bildungsgruppen abgestimmte Führung mit dialogischen und aktivierenden Elementen führt junge Menschen durch die Geschichte des Grenzdurchgangs­lagers. In etwa 90 Minuten werden die historischen und aktuellen Zusammenhänge anhand individueller Biografien anschaulich dargestellt und die jungen Besucher*innen durch gezielte Fragen einbezogen. Auf Wunsch können selbständige Arbeits- und Vertiefungsphasen in Kleingruppen integriert und die Ergebnisse im Anschluss diskutiert werden. Inhalte, Dauer und Ablauf werden im Vorfeld mit Lehrkräften und Betreuer*innen abgestimmt.


Altersgruppe: Jahrgangsstufe 9-13/Jugendliche & junge Erwachsene
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Arbeitsweise
: dialogische Führung für Gruppen
Fächerbezug: Geschichte, Politik-Wirtschaft, GSW, Ethik, Werte und Normen, Religion, BNE (weitere Schwerpunkte auf Anfrage)

Bei diesem dialogorientierten Rundgang über das öffentlich zugängliche Gelände des Grenzdurchgangslagers Friedland erhalten Schulklassen und andere Bildungsgruppen Informationen zur Aufnahme, Betreuung und Unterbringung von Menschen aus aller Welt, die über Friedland nach Deutschland kommen. Neben der aktuellen Situation werden auch bedeutende Stationen aus der über 75-jährigen Geschichte des Lagers vorgestellt, die Historie und Gegenwart in Beziehung setzen. Der Rundgang bietet viel Raum für Fragen und individuelle Schwerpunkte.

Friedland ist niedersächsische Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende aus aller Welt sowie für jüdische Zuwanderer*innen aus den postsowjetischen Staaten. Zudem ist das Grenzdurchgangslager die bundesweit einzige Erstaufnahme­einrichtung für Spätaussiedler*innen aus der ehemaligen Sowjetunion.

 

Altersgruppe: Jahrgangsstufe 9-13/Jugendliche & junge Erwachsene
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Arbeitsweise: dialogische Führung für Gruppen
Fächerbezug: Geschichte, Politik-Wirtschaft, GSW,  Ethik, Werte und Normen, Religion, BNE (weitere Schwerpunkte auf Anfrage möglich)

Workshops

„Ich verstehe nur Bahnhof!“ 
Angebot für Schüleraustasuch und Sprachlernklassen

Wie fühlt es sich eigentlich an, „nur Bahnhof“, also fast gar nichts zu verstehen oder sich vollkommen fremd zu fühlen? Davon können unzählige der Menschen berichten, die über das Grenz­durchgangs­lager in Friedland nach Deutschland gekommen sind.

Unter dem Leitmotiv Abschied – Ankunft – Neubeginn gehen die Teilnehmer*innen per Fotorallye den persönlichen Geschichten von Flüchtlingen nach, die zu unter­schiedlichen Zeiten aus verschiedenen Ländern in Friedland angekommen sind. Sie entdecken Objekte in der Ausstellung und werden durch eine dialogische Führung dazu motiviert, eigene Erfahrungen beizutragen und dabei spielerisch die Bedeutung individueller Erlebnisse sowie persönlicher Objekte als „Zeitzeugen“ zu begreifen.

Auf die speziellen Bedürfnisse von interkulturellen Gruppen, Schüleraustausch, Sprachlern- und Integrationsklassen zugeschnitten bietet dieses Programm die Möglichkeit, sich niedrigschwellig und auf Wunsch in leichter Sprache sowohl mit den Aufgaben eines Museums als auch den Migrationsgeschichten unterschiedlicher Menschen seit 1945 bis in die Gegenwart auseinanderzusetzen.

Altersgruppe: 11-14 Jahre / Klassenstufe 5-8 / Schüleraustausch
Dauer: 1,5 Stunden bis 2 Stunden
Arbeitsweise:
Museumsrallye und dialogische Führung
Zielgruppe:
Schüleraustausch- und Sprachlernklassen, interkulturelle Gruppen

Wege nach Friedland ***

Fluchtgeschichte(n) gestern und heute


Seit 75 Jahren kommen Menschen aus unterschiedlichen Ländern im Grenzdurchgangslager Friedland an. Die meisten haben ihre Heimat nicht freiwillig verlassen. Für alle geht es hier um Abschied, Ankunft und Neubeginn.

Warum mussten Menschen fliehen, wurden vertrieben oder entschieden sich zur Ausreise? Was haben sie unterwegs erlebt und wie wurden sie im Lager Friedland oder später von ihren deutschen Nachbarn empfangen? In Kleingruppen beschäftigen sich die Teilnehmer*innen mit den Geschichten von Menschen, die in der Nachkriegszeit, den 1980er und 90er Jahren oder auch seit 2015 in Friedland angekommen sind. Die Ergebnisse werden anschließend bei einem gemeinsam Rundgang in der Gruppe präsentiert, ergänzt und besprochen.

Der auf das Lernniveau der Klassen 8 bis 10 abgestimmte Workshop adressiert Schüler*innen aller Schulformen und ist zudem für Integrationsklassen mit unterschiedlichen sprachlichen und kognitiven Voraussetzungen geeignet. Dazu können die Inhalte entsprechend angepasst und anschauliche Zugänge zu den historischen und aktuellen Entwicklungen über individuelle Biografien geboten werden. Altersgerechte und aktivierende Selbsterkundungsphasen sollen die Schüler*innen zu selbständiger Arbeit und kritischer Reflexion motivieren.

Mögliche Ergänzungen: Rundgang um das Grenzdurchgangslager, Gespräche mit caritativen Institutionen vor Ort, Zeitzeugengespräch

 

Altersgruppe: Sekundarstufe I / Klassen 8-10
Dauer: ca. 3 Stunden
Arbeitsweise: Gruppenarbeit, Präsentation, dialogische Führung
Fächerbezug:
KC Geschichte für die Sekundarstufe I

Neuanfänge ***
Perspektiven auf Flucht und Migration

Die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs haben weltweit rund 60 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Im Chaos der Nachkriegszeit waren Durchgangslager ein wichtiges Element zur Registrierung, Versorgung und Weiterleitung von Flüchtlingen im besetzten Deutschland. Das Grenzdurchgangslager Friedland ist als einziges bis heute in Betrieb und nimmt als niedersächsische Erstaufnahmeeinrichtung Asylsuchende, Spätaussiedler*innen und jüdische Zuwander*innen auf.

Das etwa dreistündige Workshop-Format ist auf das Lernniveau und die Unterrichtsinhalte der Oberstufe zugeschnitten. Neben den gesellschaftspolitischen Umständen, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu Vertreibungswellen und massenhaften Fluchtbewegungen geführt haben, werden die Funktionen von Grenzdurchgangslagern sowie die spezifische Entwicklung des Lagers Friedland thematisiert. Aktuelle Perspektiven auf Flucht und Migration sowie Bezüge zur heutigen Situation von Geflüchteten runden das Angebot ab.

Anhand von Biographien, Objekten und Zeitzeugenberichten sollen wesentliche Inhalte von den Schüler*innen selbst erarbeitet, methodisch vielfältige Zugänge eröffnet und eine reflektierte Auseinandersetzung mit der historisch-politischen Situation angeregt werden Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Themenbereich Fluchtbewegungen im Umfeld des Zweiten Weltkrieges (Wahlmodul im KC Geschichte für Sekundarstufe II in Niedersachsen) kann aber auch individuell abgestimmt und auf die jüngere Migrationsgeschichte verlagert werden.

Mögliche Ergänzungen: Rundgang um das Grenzdurchgangslager, Gespräche mit caritativen Institutionen vor Ort, Zeitzeugengespräch

 

Altersgruppe: Sekundarstufe II / Klassenstufe 11-13
Dauer: ca. 3 Stunden
Arbeitsweise: Gruppenarbeit, Präsentation, dialogische Führung
Fächerbezug:
  KC Geschichte für die Sekundarstufe II

„Rette Du wenigstens dein Leben!“ ***
Warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen

„Rette Du wenigstens dein Leben“, mahnte eine Mutter ihren 17-jährigen Sohn, bevor er unbegleitet aus seiner Heimat Somalia flüchtete. Existenzielle Angst um Leib und Leben ist ein – nachvollziehbarer – Grund, das eigene Land zu verlassen. Doch welche Situationen führen zu einer so grundlegenden Sorge? Warum fliehen Menschen aus ihrer Heimat und nehmen große Strapazen auf sich, um an einen anderen, sicheren Ort zu kommen?

Der auf das Lernniveau der Klassen 10-13 ausgerichtete ca. dreistündige Workshop will das Verständnis für die Ursachen von Flucht und die damit in Zusammenhang stehenden Erlebnisse fördern. Er fragt daher sowohl in historischer als auch zeitgenössischer Perspektive nach Ursachen und Ausmaß von Flucht in globaler Hinsicht. Zudem wird beleuchtet, welche Auswirkungen Fluchtbewegungen auf die Zielländer haben können und umgekehrt auch der Einfluss unseres Handelns in Deutschland auf Fluchtursachen reflektiert. Methodisch verbindet das Angebot Rollenspiele, eigenständige Gruppenarbeit in der Ausstellung sowie informierende und reflektierende Elemente. Zudem bietet der Workshop Raum für die individuellen Voraussetzungen der Teilnehmenden und kann beispielsweise im Hinblick auf den Umfang eigenständigen Arbeitens angepasst werden.

Mögliche Ergänzungen: Rundgang um das Grenzdurchgangslager, Gespräche mit karitativen Institutionen vor Ort, Zeitzeugengespräch

 

Altersgruppe: Sekundarstufe II / Klassenstufe 11-13
Dauer: ca. 3 Stunden
Arbeitsweise: Führung, Gruppenarbeit, Rollenspiel, eigene Recherche
Fächerbezug: Politik-Wirtschaft, Geografie, Ethik, Werte u. Normen, GSW, Geschichte

„Das wird man doch noch sagen dürfen!“
Über Migration sprechen

„Flüchtling“ war das Wort des Jahres 2015. Nicht nur in den Sozialen Medien wird seit Jahren kontrovers darüber diskutiert, wie wir eigentlich über Migration sprechen können, ohne Menschen dabei herabzusetzen. Welche Wörter sind sinnvoll, erwünscht oder auch abwertend? Ist „Flüchtlinge“ schon diskriminierend und sollte es besser „Geflüchtete“ heißen? Der etwa 3-stündige fächerübergreifende Workshop geht der Frage nach, wie über Migration gesprochen wird und wurde. Wie haben sich Formulierungen und Wörter historisch verändert und welche politisch-kulturelle Haltung spiegeln sie wider? Und nicht zuletzt: Welche (politische) Wirkung kann die bewusste Wahl eines bestimmten Ausdrucks haben?

Der fächerübergreifende Workshop für die Klassenstufen 9-13 möchte für die Wirkungsmacht von Sprache sensibilisieren und macht zudem ihre historisch-gesellschaftliche Bedingtheit bewusst. Im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) leistet das Angebot einen Beitrag, um kritisch-reflektierendes Denken mit internationalem Blick zu fördern. Es ist daher bewusst fächerübergreifend angelegt, bietet aber auch gezielte curriculare Anknüpfungsmöglichkeiten für verschiedene Unterrichtsfächer. Mit unterschiedlichen methodischen Zugängen soll die individuelle und selbständige Auseinandersetzung mit der Thematik angeregt und ein intensiver Diskurs der Teilnehmer*innen gefördert werden. Zudem können unterschiedliche Voraussetzungen und Altersgruppen berücksichtigt werden.

Mögliche Ergänzungen: Rundgang um das Grenzdurchgangslager, Gespräche mit karitativen Institutionen vor Ort, Zeitzeugengespräch

Altersgruppe: Sek. I und II / Klassenstufe 9-13
Dauer: ca. 3 Stunden
Arbeitsweise: Führung, Gruppenarbeit, Rollenspiel, eigene Recherche
Fächerbezug: fächerübergreifendes Angebot (Anknüpfung und Vertiefung im Deutschunterricht der Sekundarstufe II)

Menschen auf der Flucht
Zwischen Nächstenliebe und Ausgrenzung

Angebot für kirchliche Jugendgruppen

Der Verlust von Heimat, Flucht und Exil oder die Sehnsucht nach Rückkehr in ein gelobtes Land – Die Bibel ist voll von Geschichten über Menschen, die ihr Heimatland verlassen mussten. Auch aktuell sind weltweit Millionen auf der Flucht. Ihnen Zuflucht zu gewähren und sich für Flüchtlinge und Migrant*innen zu engagieren, gehört bis heute zu den Kernaufgaben der christlichen Kirche. Deren karitatives Engagement ist und war auch im Grenzdurchgangslager Friedland ein wesentlicher Bestandteil in der Betreuung und Versorgung der Ankommenden.

Der 3- bis 4-stündige Workshop motiviert die Teilnehmer*innen, sich dem Thema Flucht über individuelle Biografien zu nähern, in kleinen Gruppen etwas über die aktuellen wie historischen Ursachen und Beweggründe zu erarbeiten und sich eine eigene Perspektive zu bilden. Dabei soll das Verständnis für persönliche Folgen und die hohe Belastung im Zusammenhang mit Fluchterfahrungen gefördert und die soziale Verantwortung der Gesellschaft ebenso wie des Einzelnen verdeutlicht werden. Bei einem Rundgang um das Grenzdurchgangslager können ergänzende Einblicke in die Verwaltung, Betreuung und Versorgung von Menschen in Friedland geboten und die Möglichkeit zu Gesprächen mit den vor Ort tätigen Akteuren ver­mittelt werden. Auf Wunsch kann die Gruppe zum Abschluss eine kleine Andacht in der Evangelischen Lagerkapelle oder der katholischen Kirche St. Norbert gestalten.

Mögliche Ergänzungen: Rundgang um das Grenzdurchgangslager, Gespräche mit karitativen Institutionen vor Ort, Zeitzeugengespräch


Altersgruppe: 12-15 Jahre / Klassenstufe 6-9
Dauer: ca. 3 bis 4 Stunden (nach Absprache)
Arbeitsweise: Impulse, dialogische Führung, Gruppenarbeit
Fächerbezug:
Ethik und Religion für die Sekundarstufe I

Objekte als Zeitzeugen
Arbeit mit der Erinnerungsbox

Ein handgenähtes Püppchen, die zerbrochene Brille oder eine alte Suppentasse – manchmal sind es scheinbar unscheinbare Dinge, an denen Erinnerungen hängen und die mit intensiven Erlebnissen verknüpft sind. Was sie zu erzählen haben und warum ihre Besitzer sie bei sich trugen, als sie im Grenzdurchgangslager Friedland angekommen sind, wird in diesem 2,5 stündigen Workshops erarbeitet.

Anhand von Objekten, Fotos, Dokumenten und einer Biografie rekonstruieren die Teilnehmer­*innen in Kleingruppen die Geschichte einer Person und können sie im anschließenden geführten Rundgang mit Informationen über die historisch-politischen Hintergründe ihrer Flucht oder Ausreise verknüpfen. Über persönliche Biografien regt dieser Workshop zur Auseinandersetzung mit Flucht- und Migrations­geschichte(n) sowie zur kritischen Reflexion historischer Ereignisse an. Er stellt aber auch Bezüge zur Gegenwart her und beleuchtet die aktuelle Situation von Asyl­suchenden und Spätaussiedler*innen in Friedland. Darüber hinaus sensibilisiert er für die Aussagekraft individueller Erlebnisse oder persönlicher Objekte als „Zeitzeugen“ und kann zu eigenen Projekten im Bereich der Oral History motivieren. Nach Bedarf werden auch Arbeitsaufträge und Anregungen für die Nachbereitung im Deutsch- oder Geschichtsunterricht angeboten.

Altersgruppe: 13-16 Jahre / Klassenstufe 7-10
Dauer:  ca. 2.5 bis 4 Stunden (nach Absprache)
Arbeitsweise: Impulse, dialogische Führung, Gruppenarbeit
Fächerbezug:
Geschichte, Deutsch, Ethik und Religion für Sek I