Siegfried Jenkner (1930-2018) wohnt nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie bei Leipzig. Dort engagiert er sich im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands. Da er keinen Ausbildungsplatz als Maurer findet, geht er weiter zur Schule und beginnt 1949 ein Studium an Universität Leipzig. Mit Unbehagen beobachtet er den zunehmenden Einfluss von SED und FDJ auf den Universitätsbetrieb und tritt mit anderen kritischen Studenten in Kontakt. Untereinander tauschen sie Literatur aus und senden Stimmungsberichte an den Rundfunk im Amerikanischen Sektor (RIAS) in West-Berlin.
Als sie in Leipzig Flugblätter verteilen, um gegen die undemokratische Einheitsliste zu protestieren, werden Jenkner und neun andere verhaftet und im Januar 1951 vor ein sowjetisches Militärgericht in Dresden gestellt. Jenkners Urteil lautet zweimal 25 Jahre Zwangsarbeit in dem Gefangenenlager in Workuta.
Im Oktober 1955 erfolgt die Freilassung und anschließende Ankunft in Friedland.