Entwurf Nr. 2015 Anerkennung

Verfasser: Jan Ulmer Architects, Berlin / Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin / Studio TheGreenEyl, Berlin

Kurzfassung der Grundidee:

Das Museumsgebäude ist eine Konstellation aus 5 Häusern. Der 1-geschossige Sockel verbindet die Häuser unter einem gemeinsamen Dach. In Analogie zu einer Stadt entstehen eine Skyline sowie innere Strassen und Plätze.

Der Eingang ist gleichzeitig Durchgang und Teil des Museumspfades. Die Konstellation aus fünf Häusern erzeugt zwei unterschiedliche Raumtypen: den Zwischenraum mit Ortsbezug sowie die introvertierten Ausstellungsräume. Die rohen Betonkuben tragen das gemeinsame Dach. Alle öffentlich zugänglichen Räume liegen im Erdgeschoss auf einer einzigen gemeinsamen Ebene.

Beurteilung durch das Preisgericht:

Der städtebauliche Ansatz zwischen der Großmaßstäblichkeit der Bahninfrastruktur / Verwaltungsbauten und der Kleinmaßstäblichkeit der Einfamilienhäuser zu vermitteln wird als nachvollziehbare und eigenständige Idee gewürdigt.

Die Aufnahme der bestehenden Giebeldächer zum präganten architektonischen Leitmotiv wird in der vorgeschlagenen Ausformung aber kritisch gesehen.

Mehrfach wird die Stadt als Vorbild bemüht. Zum einen soll eine städtische Skyline erzeugt werden, was aufgrund der minimalen Baukörperanzahl und einem fehlenden Gegenüber - welches eine Skyline erst ablesbar macht - sehr fragwürdig erscheint.

Bei der Anordnung der Baukörper und der internen Erschließung wird ebenso die Analogie zu städtischen Motiven gewählt: Innere Straßen und Plätze sollen zum Flanieren und Entdecken einladen. Auch hier scheint die Maßstäblichkeit nicht richtig eingeschätzt.

Begrüßt wird die Eingeschossigkeit mit ihrer einhergehenden niederschwelligen Ausstellung im Erdgeschoss.

Dies führt aber dazu, dass sich das Gebäude sehr breit macht und somit Grossteile des Grundstücks besetzt. Konsequenz: die notwendigen Stellplätze können nicht mehr auf der Fläche nachgewiesen werden.

Das stimmig anmutende Freiraumlayout ist somit nicht machbar.

Zudem verwehrt das Gebäude visuell und funktional den Bezug zum Areals des Grenzdurchgangslagers. Eine barrierefreie Anbindung wird wenig attraktiv entlang der nördlichen Parkplätze angeboten.

Als architektonische Attraktion ist eine Dachlandschaft angedacht. Das gewählte Tragsystem mit Dachplatte, tragenden Volumen und aufgesetzten Tischen wirkt plausibel. Die Dachlandschaft dagegen selbst überzeugt nicht. Hier wäre zumindest ein teilweise nutzbarer Freiraum angemessen gewesen. So reduziert sich das Dach auf eine grüne Fläche, die nur von ganz wenigen Orten einsehbar ist und als Dachlandschaft gewürdigt werden kann.

Das Materialkonzept wird in der Jury kontrovers diskutiert. Das Einladende der Streckmetall-Ebene wird hinterfragt, die Langlebigkeit der Polycarbonat-Platten angezweifelt. Ein Altern in Würde scheint bei dieser Materialkombination schwierig. Gleichwohl überzeugen die angestrebten unterschiedlichen Lichtstimmungen und transluzenten Übergänge im Kontrast zum harten Ortbeton.

Grundsätzlich ist die Vielzahl der horizontal geschichteten Materialien nicht nachvollziehbar und wird kritisch gesehen.

Der textlich angestrebte unverkennbare Charakter des Freiraums und die vorgschlagene Vielzahl von Aufenthaltsbereichen sind in den Plänen nicht ablesbar. Dort reduziert sich die Gestaltung auf einen Belagswechsel zwischen den unterschiedlichen Verkehrsflächen und zwei Sitzelementen. Dass sich die Aussenbeläge im Eingangsbereich durch das Gebäude ziehen wird positiv bewertet.

Die Ausstellungskonzeption wirkt eher etwas überladen und unentschieden. Die Chance die Dachlandschaft in den Parcours mit einzubeziehen, wird nicht genutzt.

Alle Ausstellungsräume befinden sich auf einer Ebene im EG und der Themenbereich 4 löst sich auf und rankt sich um die übrigen Ausstellungsbereiche herum.

Die Szenografie entwickelt für jeden Bereich eine eigenständige Ausstellungssprache:

Spiegelnde Flächen reflektieren und interagieren mit dem Besucher, gitterartige Strukturen gliedern den Raum und ermöglichen vielseitige Präsentationsformen. Es wird in Frage gestellt, ob die Bereiche damit gestalterisch auseinanderklaffen oder ob dies im Gegenteil eine Stärke darstellt.

Das Medium Klang wird als verbindendes Element eingesetzt und ist Bestandteil aller Ausstellungsbereiche. Diese in sich konsistente Idee birgt gleichwohl die Gefahr, dass durch das Tragen von Kopfhörern die Kommunikation der Besucher untereinander eingeschränkt ist.

Insgesamt eine ambivalente Arbeit, die durch ihren eigenständigen Ansatz des "Haus als Stadt" zur Diskussion auffordert. Gleichwohl scheint das Bild für den Ort nicht überzeugend.

Das gewählte Materialkonzept und die nahezu nicht vorhandene Freiraumgestaltung lassen zudem leider jede Art von atmosphärischen Qualitäten vermissen.

Die Wirtschaftlichkeit wird aufgrund des großen Volumens in Frage gestellt. Die Wettbewerbsfläche wird weitläufig überschritten.

Den Erläuterungsbericht finden Sie hier.


Entwurf Nr. 2009 Entwurf Nr. 2019