Vier wesentliche Aspekte charakterisieren die Ausstellung „SHELTER. Vom Leben im Dazwischen“. Die Ausstellung stellt die persönlichen Erfahrungen von ehemaligen Bewohner:innen einer Nissenhütte und heutigen Bewohner:innen von Flüchtlingsunterkünften in den Mittelpunkt. Dabei erklingen die Erinnerungen von Zeitzeug:innen aus den 1940er-Jahren als gesprochene Erzählungen im Raum. Die Besucher:innen sind eingeladen, auf bettähnlichen Liegen Platz zu nehmen und sich auf die Biografien und Erlebnisse einzulassen. Hierdurch wird die Erinnerung an diese frühe Zeit gewürdigt und lebendig gehalten.
Zugleich spannt die Ausstellung einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart, denn noch immer müssen Menschen ihre Heimat auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung verlassen. In der Nissenhütte gibt es die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen niederzuschreiben und in das Kollektiv der vorhandenen Erinnerungen einzubringen. Im Gegensatz zum Prozess der Registrierung, den Ankommende in einem Lager durchlaufen, sind die Fragen an die Besuchenden offen gestellt. So wird eine Kategorisierung vermieden.
In einem Flüchtlingslager treffen viele verschiedene Kulturen aufeinander. Auch diesem Aspekt wird in der Ausstellung Rechnung getragen. Großformatige Fotos zeigen, wie Menschen sich in Friedland zufällig oder aktiv begegnen. Diese besondere Schicksalsgemeinschaft zieht sich ebenfalls wie ein roter Faden durch Geschichte und Gegenwart des Grenzdurchgangslagers Friedland und die Perspektiven der ankommenden Menschen.
Obwohl Menschen in der Nissenhütte auf beengtem Raum lebten und auch in heutigen Flüchtlingsunterkünften Platz und Privatsphäre begrenzt sind, möchte die Ausstellung in der Nissenhütte einen Freiraum für Gedanken, Wünsche und Hoffnungen öffnen. In diesem Sinn können sich die Besuchenden einerseits an Medienstationen die Aussagen von jüngst geflüchteten Menschen zu diesem Thema anhören, und andererseits auch eigene Gedanken notieren. So entsteht ein „Gedanken-Tauschregal“, zu dessen Inspiration alle selbst etwas beitragen können.
Neben Deutsch ist die Ausstellung gleichberechtigt in Russisch, Englisch, Spanisch, Türkisch und Arabisch angelegt und spiegelt so die Herkunft der Menschen wider, die im Grenzdurchgangslager anzutreffen sind.