Rückblick auf die zweite Phase des trinationalen Jugendaustauschs JAZDA.
Wir haben uns lange auf das Wiedersehen und vor allem das Kennenlernen der neuen Teilnehmer:innen gefreut! Diesmal hat uns das Projekt in den Süden Frankreichs geführt, wo wir vom Foyer International d‘Études Françaises (FIEF) in La Bégude de Mazenc empfangen wurden.
In der malerischen Landschaft der Drôme provençale standen die künstlerischen Ausdrucksformen Theater, Tanz und Gesang im Fokus. Inhaltlich widmeten wir uns erneut dem Thema Migration: Wir konnten nicht nur verschiedenen Organisationen und engagierten Menschen begegnen, sondern durften zudem das Dorf rund ums FIEF und dessen Bewohner:innen bei gemeinsamen Gesprächen näher kennenlernen.
Gegründet wurde die internationale Begegnungsstätte FIEF von Ernest Jouhy. Der Erziehungs- und Kulturwissenschaftler emigrierte 1933 aufgrund der Repressionen, die er als Jude und Kommunist erlitt, aus dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland nach Frankreich.
Später sah er die Nachkriegszeit als Chance, interkulturelle Verständigung zu fördern, um eine demokratische und friedliche europäische Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. 1961 etablierte er das FIEF als einen der ersten interkulturellen Bildungsorte. Die wegweisende Wirkung und geschichtliche Bedeutung dieses Ortes für die Entwicklung der deutsch-französischen Jugendbegegnungen und interkulturellen Pädagogik seit den 60er Jahren durften wir über die sieben Tage in Auseinandersetzung mit der Geschichte des FIEF erfahren.
Südfrankreich bietet als Knotenpunkt zahlreicher Migrationsbewegungen vielfältige lokale Anknüpfmöglichkeiten:
- Wir besuchten beispielsweise die Organisation „Passerelles“ in Dieulefit, die Geflüchtete in der Region willkommen heißt und sich für ihre Rechte einsetzt.
- In einer Exkursion nach Marseille beschäftigten uns mit den Spuren der Migration in verschiedenen Stadtteilen.
- Kollektive Bewegungen, Gruppendynamiken und Kommunikationsweisen durften wir in Theaterübungen erproben.
- In Eigenkompositionen erkundeten wir außerdem die (Migrations)-Erfahrungen unserer weiblichen Vorfahrinnen. Angeleitet wurde diese Übung im Rahmen eines Musikworkshops von "Mimesis", einer Initiative, die die Migrations- und Lebensgeschichten von Frauen mithilfe wissenschaftlicher und künstlerischer Methoden in öffentlichen Workshops erforscht.
Gerahmt von gemeinsamen Tänzen, Spielen, Sprachanimationen, Theater, feierlichen Apéros und einer fulminanten Abschlusspräsantation haben wir eine wunderschöne Woche verbracht, die zum Nachdenken, Zusammenkommen und Weitertragen anregt.
Wir freuen uns sehr auf das Wiedersehen in der dritten Phase des Projekts, die uns ins Museum Friedland bei Göttingen führen wird.
JAZDA ist ein gemeinsames Projekt des Museums Friedland, der Stiftung Krzyżowa, des FIEF und des IB Freiwilligendienste Göttingen. Das Projekt wird durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) gefördert. Wir bedanken uns für die Unterstützung.