Das Deutsche Rote Kreuz und seine Tätigkeit im Grenzdurchgangslager Friedland von 1945 bis 2013

Objekt des Monats

Abb. 1: Das DRK-Heim in Friedland vor 2013; © Museum Friedland, Fotograf:in unbekannt

Rechercheergebnisse aus der Bestandsanalyse

„Wenn man sich heute in die Dokumente der Rotkreuz-Tätigkeit jener Jahre vertieft, so drängt sich unwillkürlich der Eindruck einer ständigen Bewegtheit auf; einer ständigen Hin- und Her-Bewegung von Gütern und Mitteln einerseits, ein ständiges Unterwegssein großer Menschenmengen andererseits.“1)

Als die Betreuungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes in Friedland im Jahr 2013 nach jahrzehntelanger Arbeit ihren Dienst beendete, überließen die Mitarbeitenden dem Museum Friedland sechs große Umzugskisten. Jene Kartons waren gefüllt mit Papieren und Dokumenten, Fotografien und Gegenständen aus den 1970er bis 2010er Jahren, die allesamt von der täglichen Arbeit der DRK-Mitarbeitenden und all jener, die sie betreuten, erzählen. Diese Geschichte der DRK-Betreuungsstelle und ihrer Belegschaft reicht bereits in die Anfangszeit des Grenzdurchgangslagers Friedlands hinein.

Als am 20. September 1945 das Grenzdurchgangslager Friedland seinen Betrieb aufnahm, hatte es zum Ziel die zahlreichen Heimkehrenden, Flüchtlinge und Vertriebenen zu erfassen und weiterzuleiten. Zu derselben Zeit wurde das Deutsche Rote Kreuz von der sowjetischen Militäradministration, gefolgt von den westlichen Alliierten, aufgrund dessen Rolle im NS-Staat vorübergehend aufgelöst.2) Trotzdem konnte in den westlichen Besatzungszonen die Arbeit in den unteren Stellen fortgesetzt werden. So leisteten caritative Verbände wie das DRK schon in der Anfangszeit des Grenzdurchgangslagers in Friedland ihren Beitrag.

Die Arbeit der Mitarbeitenden des DRK begann bereits mit dem Empfang der Ankommenden, der Hilfe beim Ausstieg aus dem Zug und der anschließenden Begleitung ins Lager. (Abb. 2) Nach einer Versorgung mit Essen und Getränken wurden die Menschen in Unterkünfte eingewiesen. Die Austeilung von Kleidung war unter den Verbänden aufgeteilt. So war das DRK für die Einkleidung der Kinder und Jugendlichen verantwortlich und gab auch Spielzeug an diese aus. Neben jenen Tätigkeiten halfen die Mitarbeitenden des DRK bei den Registrierungen, betreuten die Menschen im Lager und brachten sie am Ende ihres Aufenthalts zum Zug. (Abb. 3)

Zusätzlich zu der konkreten Betreuung im Grenzdurchgangslager, leistete das DRK durch seine Suchdienstarbeit einen zentralen Beitrag zu Familienzusammenführungen. Nachdem die ersten Suchdienste bereits ab 1945 bestanden, wurden ihre Arbeiten ab 1948 beim DRK zusammengeführt. Auch in Friedland wurden von unzähligen Menschen, in der Hoffnung ihre Angehörigen zu finden, Suchplakate aufgehangen. Das DRK befragte zudem die Heimkehrer, Flüchtlinge und Aussiedler:innen nach relevanten Informationen und half dabei, neue Anschriften von Familienmitgliedern ausfindig zu machen. (Abb. 4) Im Jahr 1950 wurde der Bildersuchdienst nach München verlegt, doch die täglichen Betreuungsaufgaben bestanden noch Jahrzehnte fort.

In jenem hektischen Lageralltag erscheint das Deutsche-Rote-Kreuz-Heim mit der Nummer 14 wie eine Konstante. Hier konnten die Menschen ankommen, Essen und Getränke erhalten, sich einkleiden und bei Schwierigkeiten helfen lassen. „Dies war ja gerade die Aufgabe des Roten Kreuzes: dieses ständigen Unterwegsseins Herr zu werden, den Hunderttausenden von Menschen zum Ziel zu verhelfen, die auf dem Weg waren; auf der Suche nach der alten Heimat oder einer neuen, auf der Suche nach geliebten Menschen, nach verlorenem und nach neuem Glück. All diese Menschen galt es zu betreuen, zu beraten, zu versorgen, ein Stück zu begleiten […].“ 3)

  1. Werner von Flotow/Sabine Barz/DRK-Landesverband Niedersachsen e.V. (Hg.), Das Rote Kreuz in Niedersachsen. Geschichte und Entwicklung des DRK-Landesverbandes Niedersachsen e.V. 1863-1980, o.O. 1986, S. 75.
  2. Constanze Wiedemann, Das DRK im Zweiten Weltkrieg 1939–1945: Aufgaben & Organisation, online unter: https://www.drk.de/das-drk/geschichte/nationalsozialismus/historische-uebersicht/1939-1945/ (Zugriff: 24.09.2026).
  3. DRK-Landesverband Niedersachsen e.V. (Hg.), Das Rote Kreuz in Niedersachsen. Geschichte und Entwicklung des DRK-Landesverbandes Niedersachsen e.V. 1863-1980, o.O. 1986, S. 75.